Fotograf, Heimatchronist, interessierter Mitbürger, fleißiger Unternehmer … Es lassen sich viele positive Eigenschaften nennen, die in der Region Krefeld-Uerdingen mit dem Namen Carl Ingenhag verbunden werden. Und das bis heute.

Als Carl Ingenhag Anfang der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts seinen 80. Geburtstag feierte, richtete die Stadt Krefeld im Casino Uerdingen eine ganz besondere Feierstunde aus – für einen ganz besonderen Bürger aus ihren Reihen. Denn zuvor hatte der Fotograf nahezu fünf Jahrzehnte lang die Entwicklung und Geschichte von Uerdingen am Rhein (das später mit Krefeld zu Krefeld-Uerdingen zusammengelegt wurde) mit seinem Profi-Objektiv dokumentiert. 

Carl Ingenhag unterhielt in Uerdingen am Rhein ein professionelles Fotostudio. Darüber hinaus war er zu Lebzeiten stadtbekannt – traf man ihn doch bei Wind und Wetter auf Straßen und in der Umgebung der Stadt. Fasziniert und interessiert bannte Carl Ingenhag alles auf die fotografischen Glasplatten seiner Kamera, was ihm reizvoll und wertvoll erschien. Und das war überaus viel. 

 

Verbindung zu Krefeld -Uerdingen

Carl Ingenhag kam am 26. August 1871 in Uerdingen am Rhein zur Welt. Diese Stadt war damals noch eigenständig; sie wurde erst in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts mit der Stadt Krefeld zusammengelegt.

 

Carl Ingenhags Eltern waren der Anstreicher Theodor Ingenhag und seine Frau Eva, geborene Klören. Laut Auskunft des Krefelder Stadtarchivs hatte Carl Ingenhag drei Geschwister, und er heiratete am ersten Weihnachtstag des Jahres 1898 in Berlin seine Frau Charlotte Dorothea Luise, geborene Naupert. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Sein Sohn Richard Karl Wilhelm Ingenhag wurde am 21. September 1900 im französischen Nancy geboren und fiel als Leutnant der Reserve während des deutschen Russlandfeldzuges am 10. August 1941 in der Ukraine. Am 6. März 1905 kam Carl Ingenhags Tochter Ruth Bernadette in Uerdingen zur Welt, sie verstarb am 28.11.1991 im Altersheim in Marialinden; seine jüngste Tochter wurde auf den Namen Ellen getauft (genaue Lebensdaten sind leider nicht bekannt).

 

Nach seiner Fotografenlehre zog Carl Ingenhag als Fotografengeselle durch die Welt. Unter anderem führte ihn der Weg nach Stolpe, nach Nimwegen und nach Bielefeld. Sogar in Paris hatte er im Jahr 1900 seine Spuren hinterlassen. Anschließend verbrachte er 12 Monate in Straßburg.

 

1902 schließlich kehrte er nach Uerdingen am Rhein zurück und eröffnete als Fotomeister seine erste »Kunstanstalt für Photographie und Malerei« an der Krefelder Straße 26. In seinem Atelier traf sich gewissermaßen das »Wo Is Who« der Uerdinger Gesellschaft, denn Carl Ingenhag bot exzellente fotografische Portraitarbeiten an. Hierbei konnte er meisterlich jenes Wissen umsetzen, das er in seinen Lehr- und Wanderjahren erworben hatte: unter anderem perfekte Retuschen. Tatsächlich war er der Einzige in seiner Stadt, der diese Fähigkeiten damals einbringen konnte.

 

Immense kulturelle Bedeutung für Krefeld-Uerdingen

 

Carl Ingenhag beschränkte sich nicht auf die Atelierfotografie. Vielmehr drängte es ihn oft hinaus ins »wahre Leben«. Egal, ob er zu Hochzeiten gerufen wurde oder zu anderen gesellschaftlichen Ereignissen: Carl Ingenhag war mit seiner Kamera dabei. Auch bei Vereinsveranstaltungen war er stets ein gern gesehener Gast. Und sogar ohne diese offiziellen Anlässe und Einladungen hielt sich Carl Ingenhag immer wieder in der Stadt und im sonstigen Freien auf, um unermüdlich den Auslöser seiner Kamera zu drücken.

 

Wobei man sich immer vor Augen halten muss: Das waren damals andere Zeiten  – gerade für Fotografen. Das Herumschleppen der schweren Kameraausrüstung ging ebenso »auf die Knochen«, wie es viel Nervenkraft verlangte, die bruchanfälligen fotografischen Glasplatten heil auszutauschen und sicher zu transportieren. Umso erstaunlicher und bemerkenswerter erscheint der Fleiß, den Carl Ingenhag bei der fotografischen Dokumentation seiner Heimat an den Tag gelegt hat – über Jahrzehnte hinweg: In der Tat sind in den fast fünfzig Jahren seines Wirkens Abertausende dieser fotografischen Kleinode entstanden und bis heute erhalten geblieben.

 

Natürlich war nicht alles schön und erbaulich, was Carl Ingenhag vor die Linse kam. Vor allem die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs brach erbarmungslos über ihn und seine Stadt herein, und Carl Ingenhag hat die fürchterlichen Zerstörungen des Bombenkrieges als zeitlose Warnung an die Nachfahren mit seiner Kamera aufgenommen.

 

Diese und andere unwiederbringliche Fotomotive hat Carl Ingenhag noch zu seinen Lebzeiten dem Uerdinger Heimatbund überlassen. Als Carl Ingenhag am 27. Mai 1957 seine Augen für immer schloss, war die Betroffenheit in ganz Krefeld groß. In allen Zeitungen der Stadt erschienen Nachrufe zum Tode von Carl Ingenhag, und in einem dieser Nekrologe wurde die Fotosammlung als Schatz gewürdigt, »den man noch in ferneren Zeiten schätzen wird«.

 

Um die Archivierung und Auswertung dieser fotografischen Kostbarkeiten kümmert sich heute die Urenkelin von Carl Ingenhag: Stephanie Kirchner ist selbst als Fotografin, Malerin und Autorin aktiv und stellt in ihren Ausstellungen immer wieder ausgewählte Werke ihres Urgroßvaters der Öffentlichkeit vor.